{"id":8607,"date":"2019-09-27T07:08:00","date_gmt":"2019-09-27T05:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/health.bmz.de\/?p=8607"},"modified":"2021-08-11T11:39:10","modified_gmt":"2021-08-11T09:39:10","slug":"unterstuetzung-auf-der-letzten-meile-der-digitalisierung-von-malawis-gesundheitssystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/health.bmz.de\/de\/reportagen\/unterstuetzung-auf-der-letzten-meile-der-digitalisierung-von-malawis-gesundheitssystem\/","title":{"rendered":"Internet f\u00fcr Malawis Distriktkrankenh\u00e4user: Die beschwerliche letzte Meile"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Um ihre Patientinnen und Patienten besser versorgen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen Gesundheitsfachkr\u00e4fte Zugang zu Gesundheits-Daten in Echtzeit. Ein GIZ-Vorhaben sorgt daf\u00fcr, dass ab sofort auch Gesundheitseinrichtungen in den Distrikten mit den im Land verf\u00fcgbaren IT-Systemen arbeiten k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Distriktkrankenhaus von Dedza ist ein typisches einst\u00f6ckiges, rotes Backsteingeb\u00e4ude direkt an der Nord-S\u00fcd-Hauptverkehrsader M1 in Zentral-Malawi. Sein Einzugsgebiet umfasst 730.000 Menschen. 34 umliegende Gesundheitszentren \u00fcberweisen die F\u00e4lle, die sie nicht selbst behandeln k\u00f6nnen, hierhin. Das Bezirkskrankenhaus unterscheidet sich in einem Punkt von anderen Bezirkskrankenh\u00e4usern Malawis: Seit Kurzem sind auf dem Dach Mobilfunkantennen installiert, die es mit den digitalen Informationssystemen der Regierung verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man w\u00fcrde meinen, dass die Digitalisierung in einem Gesundheitssystem, das mit extremer Mittelknappheit zu k\u00e4mpfen hat, nicht ganz oben auf der Priorit\u00e4tenliste steht: Im Bezirkskrankenhaus in Dedza betreuen zum Beispiel nur drei diensthabende Krankenschwestern an einem Wochenende oft mehr als 60 Geburten. In ganz Malawi ist ein Arzt oder eine \u00c4rztin f\u00fcr etwa 80.000 Menschen zust\u00e4ndig, im Vergleich zu 400-600 in Europa.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur: Wie soll die Gesundheitsversorgung eines Landes verbessert werden, solange die Daten seiner Distriktkrankenh\u00e4user nicht in den digitalen Informationssystemen abgebildet sind? Wer Malawis Gesundheitssystem digitalisieren m\u00f6chte, muss zwangsl\u00e4ufig die letzte digitale Meile gehen \u2013 direkt bis zu den Patienten und Patientinnen in den Distrikten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Technologisch Schritt halten bei knappen Ressourcen&nbsp;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Malawi arbeitet seit einiger Zeit mit dem Gesundheitsmanagement-Informationssystem DHIS2. Daten von Patienten und Patientinnen werden auf Papier erfasst, \u00fcber die Distriktebene weitergeleitet und schlie\u00dflich im zentralen Datenspeicher des Ministeriums digital erfasst. Bisher hatte das Personal in den Krankenh\u00e4usern jedoch keinen Zugriff auf die geb\u00fcndelten DHIS2-Daten und konnte sie nicht nutzen, um die Qualit\u00e4t der \u00e4rztlichen Versorgung zu verbessern. Eine gut ausgebaute IT-Infrastruktur in den Gesundheitszentren und Bezirkskrankenh\u00e4usern und ihr Anschluss an das Breitband-Internet k\u00f6nnten dies \u00e4ndern. Genau darum geht es bei dem Projekt in Dedza, das vom malawisch-deutschen Gesundheitsprogramm (<em>Malawi German Health Programme<\/em>&nbsp;\/ MGHP) umgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits kurz nach der Jahrtausendwende hat die malawische Regierung ein digitales Netzwerk f\u00fcr staatliche Beh\u00f6rden aufgebaut. Das sogenannte \u201eGovernment Wide Area Network\u201c (GWAN) reicht bis in die Regierungsgeb\u00e4ude der 28 malawischen Regierungsbezirke. Um nun auch die letzte Meile zu \u00fcberwinden, sodass auch das Personal in Bezirkskrankenh\u00e4usern Zugang zum Internet und den nationalen Gesundheitsdatensystemen hat, mussten sich die Einrichtungen in den Bezirken eigenst\u00e4ndig technische Partner suchen. Das malawisch-deutsche Gesundheitsprogramm ist 2019 als Partner eingestiegen und hat seitdem f\u00fcr den Anschluss des Bezirksgesundheitsamts und des Bezirkskrankenhauses in Dedza gesorgt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) st\u00e4rkt das malawisch-deutsche Gesundheitsprogramm das Gesundheitssystem in den Regierungsbezirken Lilongwe, Dedza, Mchinji und Ntcheu insbesondere im Bereich Mutter- und Neugeborenengesundheit. \u201eEine zuverl\u00e4ssige IT-Infrastruktur und eine kosteng\u00fcnstige Internetverbindung f\u00fcr die Gesundheitseinrichtungen sind aus zwei Gr\u00fcnden unerl\u00e4sslich\u201c, erkl\u00e4rt Programmleiter Kai Str\u00e4hler-Pohl. \u201eErstens kann das Gesundheitspersonal auf die Daten zugreifen, die sie f\u00fcr die Diagnose und Behandlung bestimmter Patientinnen und Patienten ben\u00f6tigen. Und zweitens k\u00f6nnen die Teams in den Gesundheitseinrichtungen die geb\u00fcndelten Daten von DHIS2 f\u00fcr eine evidenzbasierte Planung und \u00dcberwachung der Versorgungsqualit\u00e4t nutzen. Unser Projekt unterst\u00fctzt beides. Der Anschluss an das digitale Netz ist hierf\u00fcr die Grundvoraussetzung, also fangen wir damit an.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bezirkskrankenhaus in Dedza ist die erste Gesundheitseinrichtung, die digital angeschlossen wurde und damit Blaupause f\u00fcr die zuk\u00fcnftige digitale Vernetzung zahlreicher weiterer dezentraler Einrichtungen des malawischen Gesundheitssystems. Insgesamt sollen mit Hilfe des malawisch-deutschen Gesundheitsprogramms und einem Budget von 120.000 EUR 40 Gesundheitseinrichtungen an das Regierungsnetz angeschlossen werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Auswirkung des digitalen Anschlusses<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einem kleinen B\u00fcro im Bezirkskrankenhaus Dedza sind Jumphani Kalua, Beauftragter f\u00fcr das Gesundheitsinformationssystem und seine Assistentin Veronica Madengere damit besch\u00e4ftigt, die aktuellen Statistiken in den zentralen Datenspeicher des DHIS2 hochzuladen. Das Krankenhauspersonal hat jetzt mobilen Zugriff auf diese Daten, kann Probleme schneller erkennen und damit umgehen, um so die Qualit\u00e4t der Gesundheitsdienste zu verbessern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eJetzt m\u00fcssen wir nicht mehr darauf warten, dass jemand uns Informationen, die wir aus dem DHIS2 brauchen, ausdruckt und sendet. Wir k\u00f6nnen sie jetzt selber jederzeit abrufen und damit arbeiten&#8220;, sagt Misha Stande, die leitende Amts\u00e4rztin im Regierungsbezirk Dedza. Jeder Todesfall bei M\u00fcttern und Neugeborenen, der im System auftaucht, wird auf diese Weise jetzt sofort gepr\u00fcft. \u201eEs ist wirklich hilfreich, jederzeit Zugriff auf wichtige Informationen zu haben, sowohl auf der Station als auch im B\u00fcro. Und es ist auch viel einfacher, die Daten zu teilen. Das Gesundheitspersonal f\u00fchlt sich damit auch st\u00e4rker verantwortlich f\u00fcr die Ergebnisse der eigenen Arbeit, die die Daten widerspiegeln\u201c, sagt Stande.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"358\" src=\"https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-9.png\" alt=\"How the \u2018last mile\u2018 was connected in Dedza\" class=\"wp-image-2877\" srcset=\"https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-9.png 700w, https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-9-300x153.png 300w, https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-9-500x256.png 500w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption>Wie die letzte Meile in Dedza umgesetzt wurde<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Weitergabe von Krankenhausdaten an die Gesundheitsbeh\u00f6rden klappt jetzt besser. Seitdem die Krankenh\u00e4user in Dedza an das Regierungsnetz angeschlossen sind, hat sich die Vollst\u00e4ndigkeit und Aktualit\u00e4t der meldepflichtigen Daten merklich verbessert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was waren die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen?<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfangs haben vor allem h\u00e4ufige Stromausf\u00e4lle die neue Internetverbindung beeintr\u00e4chtigt. Aber die Situation hat sich verbessert. Um die Stromversorgung zu verbessern, hat das malawisch-deutsche Gesundheitsprogramm begonnen, Systeme zu entwickeln, die auch unabh\u00e4ngig vom Stromnetz funktionieren, etwa Solar- und Hybridsysteme, die durch eine Kombination aus Netz- und Solarenergie geladen werden. Au\u00dferdem wurden Upload-Zeiten von 18 bis 24 Stunden im System eingeplant, um Datenverluste bei Stromausf\u00e4llen zu vermeiden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Daten werden \u00fcberall gebraucht<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"233\" src=\"https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-194.jpeg\" alt=\"It is now easier to share and make use of data in Dedza\" class=\"wp-image-2879\" srcset=\"https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-194.jpeg 350w, https:\/\/health.bmz.de\/wp-content\/uploads\/post\/image-194-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption>It is now easier to share and make use of data in Dedza<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDaten sind wirklich wichtig und werden \u00fcberall gebraucht\u201d, sagt Misha Stande. \u201cAuch wenn sie teuer sind \u2013 auf lange Sicht ist das ein Preis, den wir zahlen m\u00fcssen.\u201d Sie glaubt, dass Initiativen wie die des malawisch-deutschen Gesundheitsprogramms in Dedza auch dazu beitragen k\u00f6nnen, einige der Probleme zu l\u00f6sen, die sich aus der chronischen Mittelknappheit ergeben. Ein digitales Patientenregister zum Beispiel w\u00fcrde Papier und Zeit sparen und damit Mittel freisetzen, die anderweitig dringend gebraucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein modular aufgebautes elektronisches Patientenregister steht tats\u00e4chlich als n\u00e4chstes auf der Agenda des malawisch-deutschen Gesundheitsprogramms. Konzeption, Erprobung und Implementierung werden voraussichtlich im Jahr 2023 abgeschlossen sein \u2013 mit gro\u00dfem Nutzen f\u00fcr die Gesundheitsfachkr\u00e4fte. Es wird sie zum Beispiel an anstehende Impfungen f\u00fcr registrierte Kinder erinnern. Die Fachkr\u00e4fte k\u00f6nnen dann die Eltern kontaktieren, um sicherzustellen, dass das Kind die n\u00e4chste Impfung rechtzeitig bekommt. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen die Daten direkt an das nationale Gesundheitsinformationssystem \u00fcbertragen werden, sodass die Gesundheitsbeh\u00f6rden t\u00e4glich Daten \u00fcber das Krankheitsgeschehen in den Distrikten erhalten anstatt, wie bisher, nur einmal im Monat. Dies kann besonders beim Erkennen und Management von Epidemien hilfreich sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eErste Module des E-Registers werden derzeit in der Kinderklinik, in der Schwangerenvorsorge und im Krei\u00dfsaal eingesetzt\u201c, sagt Str\u00e4hler-Pohl. \u201eEin Modul f\u00fcr die Ambulanz ist in der Entwicklung.&#8220; Verschiedene Module lassen sich miteinander verkn\u00fcpfen und ergeben eine komplette elektronische Patientenakte, auf die alle Gesundheitsfachkr\u00e4fte zugreifen k\u00f6nnen. \u201e\u00dcberweisungen zwischen den Abteilungen, aber auch zwischen Kliniken, w\u00fcrden so erheblich vereinfacht und dies spart viel Zeit, etwa bei der Anamnese. Die Standardisierung von Arbeitsschritten durch die Eingabemaske unterst\u00fctzt zudem die Qualit\u00e4tssicherung der Gesundheitsleistungen\u201c, so Straehler-Pohl.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ruth Evans<br>September 2019<\/p>\n<div class=\"credits-overlay\" data-target=\".wp-image-2877\">\u00a9 GIZ<\/div><div class=\"credits-overlay\" data-target=\".wp-image-2879\">\u00a9 GIZ\/Timothy Chikupetha<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um ihre Patientinnen und Patienten besser versorgen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen Gesundheitsfachkr\u00e4fte Zugang zu Gesundheits-Daten in Echtzeit. 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