Wie sollte eine globale Gesundheitsarchitektur aussehen, die allen gerecht wird?

Ein Austausch dazu, wo wir stehen, was sich ändern muss und wie Deutschland dazu beitragen kann.

Writer:
Clemens Gros

Teilnehmende am Impulsdialog
  • Dr. Christoph Benn, Direktor für globale Gesundheitsdiplomatie, Joep Lange Institut
  • Kate Dodson, Vizepräsidentin für globale Gesundheitsstrategie, United Nations Foundation
  • Roland Göhde, Vorstandsvorsitzender, German Health Alliance
  • Prof. Dr. Anna Holzscheiter, Professorin für Internationale Politikwissenschaft, Technische Universität Dresden
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Ilona Kickbusch, Gründerin und Vorsitzende des Global Health Centre, Graduate Institute of International and Development Studies
  • Jean-Olivier Schmidt, Programmleiter, BACKUP Health, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ)
  • Elhadj As Sy, Vorstandsvorsitzender, Kofi Annan Foundation

globale-gesundheitsarchitektur

Folgende Anregungen für die deutsche Politik wurden im Laufe des Impulsdialogs formuliert:

Die Rolle und Koordinierungsfunktion der WHO sollte als normativer Pol der globalen Gesundheit gestärkt werden, vor allem durch eine angemessene Finanzierung.

  • Die wichtigsten globalen Gesundheitsinitiativen sollten durch politische Einflußnahme in ihren Verwaltungsräten dazu bewegt werden, sich untereinander besser zu koordinieren und ihre Förderungen an die bestehenden Systeme der Partnerländer anzupassen. Ein Mechanismus, über den dies nachverfolgt werden kann, sollte eingeführt werden.
  • Die Beteiligung nichtstaatlicher Akteure an der Entscheidungsfindung im Bereich der globalen Gesundheit sollte institutionalisiert werden, z.B. indem ihnen in der Weltgesundheitsversammlung Gehör und volles Stimmrecht in den wichtigsten neuen Initiativen, die derzeit im Bereich der globalen Gesundheit entstehen, gewährt wird.
  • Partnerländern sollte technische Entwicklungszusammenarbeit zur Stärkung ihrer Regulierungs- und Managementkapazitäten angeboten werden, damit sie ihr Engagement für globale Gesundheitsinitiativen wirksam koordinieren und ihre nationalen Strategien und Pläne als Grundlage für die Harmonisierung der Geberinterventionen präsentieren können.
  • In Deutschland sollte Fachwissen für die globale Gesundheit durch systematische Investitionen in die dafür nötige akademische Ausbildung und in die Förderung von Think Tanks und Ideengeber*innen gestärkt werden.
  • Die Vernetzung der im Bereich der globalen Gesundheit tätigen deutschen Akteure sollte weitergehen, um Synergien z. B. zwischen bilateraler Entwicklungszusammenarbeit, Investitionen des Privatsektors, zivilgesellschaftlichem Engagement und wissenschaftlicher Expertise zu stärken.
  • Der Fragmentierung des deutschen Engagements für die globale Gesundheit sollte entgegengewirkt werden durch gute Koordination und Abstimmung der Positionen und Engagements der verschiedenen deutschen Ministerien und Behörden mit einem Mandat im Bereich der globalen Gesundheit.

Warum ein Impulsdialog über die globale Gesundheitsarchitektur?

Der internationalen Gemeinschaft bleiben noch acht Jahre dafür, das nachhaltige Entwicklungsziel 3, Gesundheit für alle Menschen jeden Alters zu gewährleisten und ihr Wohlbefinden zu fördern, zu errei- chen. Die verheerenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie haben indes gezeigt, wie schwer es dieser Gemeinschaft fällt, gemeinsam wirksame Maßnahmen zur Bewältigung globaler Gesundheitsherausforderungen zu vereinbaren und umzusetzen.

Wie müsste eine globale Gesundheitsarchi- tektur aussehen, die allen Anforderungen an sie gerecht wird und die Ergebnisse liefern kann, die die Welt von ihr erwartet?

Um die Bundesregierung bei ihrer Meinungsbildung zu dieser Frage zu unterstützen, veranstaltete der Global Health Hub Germany in Zusammenarbeit mit Healthy DEvelopments im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Impulsdialog mit sieben renommierten Vertreter*innen aus Wissenschaft, Entwicklungszusammenarbeit, Stiftungen und dem Privatsektor, inklusive eines Vertreters des Globalen Südens. Die Dialog-Teil- nehmenden tauschten sich in zwei virtuel- len Debatten aus und bezogen außerdem in Einzelinterviews Stellung.

Dieses Papier fasst ihre jeweiligen Stand- punkte und die zentralen Argumentationslinien des Impulsdialogs zusammen. Die unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Positionen versprechen, den deutschen Politikdialog bezüglich der Governance der globalen Gesundheit zu bereichern.

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