Wie trainiert man Krankenhausverwaltungen in Kostenkalkulation – trotz und inmitten einer Pandemie?

Ein GIZ-Projekt in Pakistan passt sein Capacity Development-Vorgehen erfolgreich an Lockdown-Bedingungen an

Die Corona-Pandemie zeigt, wie anpassungsfähig Menschen sind: Angesichts enormer Herausforderungen passen sie ihre Arbeitsweise auf innovative Weise dem „New Normal“ an. So unterstützt das Team eines Krankenversicherungs-Projekts der GIZ in Pakistan seine Partner jetzt online und per Telefon dabei, die Kosten für Gesundheitsdienstleistungen zu kalkulieren. Die Zielstrebigkeit einer GIZ-Mitarbeiterin und die hohe Motivation ihrer Partner haben dabei zu überraschenden Ergebnissen geführt.

„Es gab einen Punkt, an dem wir dachten, das ganze Gesundheitssystem würde einfach zusammenbrechen“, sagt Gul Rukh Mehboob, technische Beraterin im GIZ-Projekt „Unterstützung bei sozialer Sicherung, einschließlich Absicherung im Krankheitsfall“ in Pakistan in einem Gespräch über die Auswirkungen von COVID-19 auf die Arbeit des Projekts im letzten Jahr. Anfangs sah es so aus, als würde auch ein sorgfältig geplantes Trainingsprogramm in Kostenkalkulation für Krankenhäuser der Pandemie zum Opfer fallen. Aber dann passte sich das Team in überraschend kurzer Zeit an die neuen Arbeitsbedingungen an – mit großartigen Ergebnissen.

Kosten für Behandlungspakete neu berechnen

Um dem Ziel ‚Universal Health Coverage‘ (universelle soziale Absicherung im Krankheitsfall) näher zu kommen, hat Pakistans Regierung beschlossen, das soziale Krankenversicherungssystem des Landes massiv auszuweiten. Ein Projekt der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt wird, unterstützt die pakistanische Regierung bei der Umsetzung dieses ehrgeizigen Vorhabens.

Ein wichtiger Aspekt bei der Einführung eines so großen sozialen Gesundheitssicherungsprogramms ist die angemessene (nicht zu hohe und nicht zu niedrige) Erstattung der Kosten, die in Krankenhäusern anfallen. Dafür müssen Versicherungsgesellschaften wiederum die tatsächlichen Kosten kennen, die für die Behandlung unterschiedlicher Krankheiten anfallen. Um diese Kosten zu erheben, unterstützte das GIZ-Projekt daher mehrere öffentliche und private Krankenhäuser in verschiedenen Teilen Pakistans bei der Kostenkalkulation von Behandlungspaketen für häufig auftretende Krankheiten. Die resultierenden Zahlen sollten es den Krankenhausverwaltungen ermöglichen, mit den Versicherungen realistische Preise auszuhandeln, anstatt sich, wie bisher, auf geschätzte Kosten zu verlassen.

Usman Maqsood, der Geschäftsführer des Krankenhauses Maqsood Medical Complex in Peshawar, berichtet: „Bisher haben wir als Krankenhausverwalter die Kosten, die wir mit den Versicherungen abrechnen, einfach pauschal pro Zeitraum und Abteilung kalkuliert. Eine Kalkulation nach Krankheiten und Behandlungen erschien uns zunächst ungeheuer komplex.“

Online-Schulungen statt Präsenz-Workshops

Ursprünglich war geplant, in jeder der Provinzen zwei Präsenz-Workshops für Krankenhausverwaltungs- und medizinisches Personal durchzuführen. Doch mit der Ausbreitung der Pandemie wurden Workshops mit mehreren Menschen in einem Raum undenkbar. Das GIZ-Team stellte das Fortbildungsprogramm daher auf Online-Trainingseinheiten um. Tatsächlich war das klinische Krankenhauspersonal aufgrund der Pandemie aber so mit Arbeit ausgelastet, dass vielen von ihnen die Zeit fehlte, regelmäßig an den Online-Schulungen teilzunehmen. Hinzu kamen zahlreiche COVID-19-Erkrankungen in den eigenen Reihen. Um dennoch das gemeinsam gesetzte Ziel zu erreichen, die Krankenhausverwaltungen zu befähigen, die tatsächlichen Behandlungskosten für unterschiedliche Krankheiten zu ermitteln, entschloss sich die zuständige GIZ-Expertin, ihr Trainingsangebot noch weiter zu flexibilisieren: Sie informierte alle Teilnehmenden, dass sie durchgehend bereitstehe, um Trainingseinheiten auch mit kleinen Gruppen oder Einzelnen online durchzuführen, und setzte dies in den folgenden Wochen entsprechend um. Im Anschluss an die Online-Sitzungen begleitete und motivierte sie die Teilnehmenden mit Telefonanrufen, das jeweils Gelernte direkt in der Praxis anzuwenden und so die benötigten Zahlen zusammenzustellen.

Trainings rund um die Uhr

Der flexiblere Ansatz bedeutete eine Menge Arbeit für das GIZ-Team: Die Schulungseinheiten wurden viele Male wiederholt. „Ich habe den Teilnehmenden gesagt, dass unsere Zeitplanung vollkommen offen und flexibel ist. Ich stand zur Verfügung, sobald jemand Zeit hatte „, erklärt die GIZ-Expertin Gul-Rukh Mehboob. Muhammad Waqas, Finanzverwalter des Dr. Akbar Niazi Lehrkrankenhauses, bestätigt dies: „Wir hatten mehrere virtuelle Sitzungen mit Frau Mehboob, sie hat mir alles so oft wie nötig erklärt.“

Im Maqsood Medical Complex in Peshawar erinnert sich Usman Maqsood daran, dass die Schulungen oft ausgesetzt werden mussten, da immer wieder Teilnehmende aufgrund von COVID-Infektionen ausfielen. „Anstatt der geplanten 15 dauerte es deswegen 45 Tage, bis alle Kosten, die wir brauchten, ermittelt waren.“
Die proaktive und bedarfsgerechte Unterstützung des GIZ-Teams machten das in seiner Form ungewöhnliche Fortbildungsprogramm schlussendlich zu einem großen Erfolg.

Laut Usman Maqsood war besonders die telefonische Begleitung im Anschluss an die Trainingseinheiten hilfreich, da es um detaillierte Kalkulationen geht: „Wir haben schrittweise all die kleinen Leistungen definiert und bepreist, die zu den Kosten einer Behandlung beitragen. So beispielsweise was es kostet, wenn Pflegepersonal Patienten auf eine Station bringen.“

Große Vorteile für die Krankenhäuser

Das Projektteam und die Krankenhausverwaltungen sind stolz auf das, was sie gemeinsam erreicht haben. Die korrekten Kalkulationen helfen den Krankenhäusern inzwischen nicht nur bei ihren Verhandlungen mit den Versicherungen, sondern auch bei ihrem kontinuierlichen Finanzmanagement.

So hat Muhammad Waqas das Kalkulationsmodell bereits genutzt, um die jetzt neu anfallenden COVID-19-bezogenen Kosten für sein Krankenhaus zu berechnen. „Ich habe die Methoden, die ich in der Fortbildung gelernt habe, dafür verwendet und es hat mir wirklich dabei geholfen, faire Gebühren für das Krankenhaus und für die Patienten und Patientinnen zu kalkulieren.“

Das GIZ-Team ist begeistert, dass die Krankenhausverwaltungen begonnen haben, zahlreiche weitere Kostenkalkulationen eigenständig anzugehen. „Bisher verließen sich die Krankenhäuser bei diesem wichtigen Thema ausschließlich auf externe Unterstützung. Jetzt können sie es selbst durchdringen und proaktiv steuern. Genau das war unser Ziel“, sagt Frau Mehboob.

© Maqsood Medical Complex
© Maqsood Medical Complex
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