Impulsdialoge liefern Anregungen für Deutschlands globale Gesundheitspolitik

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Die Impulsdialog-Teams von GHHG und Healthy DEvelopments

Der Global Health Hub Germany und Healthy DEvelopments organisieren und dokumentieren gemeinsam Debatten hochrangiger Expert*innen zu politisch aktuellen Themen der globalen Gesundheit, um Impulse zu setzen für deren Diskussion in deutschen Ministerien und im Parlament.

Die Gesundheit im 21. Jahrhundert wird global sein – oder sie wird nicht sein. Die COVID-Pandemie hat gezeigt, dass für wirksame Gesundheitspolitik eine globale Perspektive unabdingbar ist. Fragen der globalen Gesundheit sind dabei sowohl für Entwicklungs- als auch für Gesundheitsministerien von Interesse – und darüber hinaus für Außenpolitik, Finanzen, Klima, Bildung und Forschung . Nicht ohne Grund wurden alle diese Ressorts in die Formulierung der Strategie der Bundesregierung zur globalen Gesundheit einbezogen.

Das Thema globale Gesundheit zwingt dazu, über ‚Silos‘ hinaus zu denken und zu handeln

In Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen engen Fokus auf das deutsche Gesundheitswesen längst aufgegeben und sieht Gesundheit stattdessen im weltweiten Kontext. Auch für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat spätestens seit der Pandemie das Thema Gesundheit wieder oberste Priorität. Ein Zeichen für die Annäherung der zwei Ressorts ist der neue Unterausschuss ‚Globale Gesundheit‘ des Deutschen Bundestages: War dieser bisher nur dem Gesundheitsausschuss des Bundestages angegliedert, wird er nun mit dem Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geteilt. ‚Wir haben für diesen Unterausschuss gekämpft, weil er ein wichtiges Bindeglied zwischen der globalen Wirtschafts- und Entwicklungsarbeit und der nationalen Gesundheitspolitik ist,‘ so der Vorsitzende des Unterausschusses, Dr. Andrew Ullmann.

Für diese Annäherung steht auch die neue gemeinsamen Initiative der ‚Impulsdialoge‘ zur globalen Gesundheit, an der beide Ministerien beteiligt sind.

Der Global Health Hub Germany – eine dynamische Plattform für den Austausch innerhalb der deutschen Global Health Gemeinschaft

2019 hat das Bundesgesundheitsministerium den Global Health Hub Germany (GHHG) als Forum ins Leben gerufen, um die Vielfalt der nichtstaatlichen Akteure in diesem Bereich für sich in Wert zu setzen und einen konstruktiven Austausch zwischen ihnen zu fördern. Mit über 1600 Mitgliedern, darunter mehr als 200 Organisationen, sind acht Akteursgruppen im GHHG vertreten: Jugend, Zivilgesellschaft, Privatsektor, Think Tanks, Stiftungen, Wissenschaft, internationale Organisationen/Experten und Mitglieder des Parlaments.

Der GHHG fungiert als Plattform für Information, Vernetzung und Zusammenarbeit. Er bietet einen Raum für gemeinsames Arbeiten, in dem sich Hub Communities zu so unterschiedlichen Themen wie antimikrobielle Resistenz oder globale mentale Gesundheit zusammenfinden und in sich ihrem eigenen Rhythmus austauschen und gemeinsame Papiere erarbeiten, die dann in Deutschlands Politik zur globalen Gesundheit einfließen können. Jedes Jahr organisiert der GHHG einen Global Health Talk, zusätzlich zu seiner Reihe monatlicher Webinare mit internationalen Expert*innen, die regelmäßig über Hundert Teilnehmende zusammenbringen. Die Themen reichen von One Health bis hin zu den gesundheitlichen Prioritäten der aktuellen deutschen G7-Präsidentschaft.

Mit dem neuen Format der ‚Impulsdialoge‘ erweitert der GHHG seine Perspektiven-Vielfalt um die der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und des globalen Südens, indem es Repräsentant*innen dieser Blickwinkel in den Dialog einbezieht.

Zusammenarbeit mit Healthy DEvelopments – dem Schaufenster des BMZ für Gesundheit und soziale Sicherung

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Der Bereich Gesundheit war seit ihren Anfängen in den 1970er über Jahrzehnte hinweg eine Priorität der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Seit 2004 bzw. 2013 teilen die German Health Practice Collection (GHPC) und das Webportal Healthy Developments (HD) des BMZ die umfangreichen Erfahrungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und soziale Sicherung mit einem weltweiten Publikum in Form von Artikeln, Studien, Podcasts und Videos. Das Healthy DEvelopments-Autor*innenteam verfügt über solides Fachwissen, nicht nur in Bezug auf Themen der Entwicklungszusammenarbeit, sondern auch hinsichtlich der systematischen Aufarbeitung von Lernerfahrungen in gut lesbaren Reportagen, Fallstudien und Podcasts.

Das BMZ hat Healthy Developments beauftragt, mit der vom BMG finanzierten GHHG zusammenzuarbeiten, um eine entwicklungspolitische Perspektive sowie seine Expertise in der Dokumentation von Lernerfahrungen einzubringen. „Das Healthy Developments-Team ist für uns durch seine Expertise in der Moderation und Dokumentation von gemeinsamen Lernprozessen ein Gewinn. Auch bei den Impulsdialogen geht es ja darum, einen solchen Prozess zu steuern und dann Schlussfolgerungen und Empfehlungen prägnant zu formulieren,‘ so Sarah Pelull, GHHG’s Managerin der Impulsdialoge.

Anna von Roenne, Chefredakteurin von Healthy Developments, sieht in der Kooperation mit GHHG die Chance für alle Beteiligten, aus ihren Ressort-spezifischen ‚Silos‘ auszubrechen: „BMZ und BMG können dabei nur gewinnen. Der GHHG vereint 1500 Mitglieder, die das ganze Spektrum der deutschen Expertise zu globaler Gesundheit abbilden. Die Entwicklungszusammenarbeit wiederum ist mit den Gesundheitssystemen und den Gesundheitsakteuren in den Ländern des globalen Südens bestens vertraut und bringt einen großen Fundus an praktischen Erkenntnissen aus der Arbeit vor Ort mit. Und Healthy DEvelopments verfügt über langjährige Erfahrung in der Aufbereitung und Präsentation von Umsetzungserfahrungen.“

Impulsdialoge machen hochkarätiges Fachwissen für politische Entscheidungsträger*innen nutzbar

Was ist neu und anders an den Impulsdialogen im Vergleich zu den bestehenden Kommunikationsformaten von GHHG und Healthy DEvelopments? Die Impulsdialoge greifen die Idee der GHHG-Strategie von 2021 auf, mehrere Expert*innen – die Strategie spricht von ‚Task Teams‘– in einen Austausch zu politisch aktuellen Globale Gesundheitsfragen zu bringen. Kristina Knispel, die Geschäftsführerin vom GHHG, erklärt: „Die neue GHHG-Strategie sieht die Impulsdialoge als Hebel, um Impulse in den politischen Raum übermitteln.“

Die erste Fragestellung: Welche globale Gesundheitsarchitektur brauchen wir?

Der erste Impulsdialog startete am 13. April mit der vom GHHG-Lenkungskreis ausgewählten Fragestellung: ‚Welche globale Gesundheitsarchitektur brauchen wir?‘. Das Ringen der internationalen Gemeinschaft um ein abgestimmtes Vorgehen bei der Bewältigung der COVID-Pandemie hat deutlich gemacht, was von dieser Frage abhängt. Es ist Zeit für eine ungeschminkte Bewertung von Institutionen wie WHO, GFATM, GAVI und Weltbank und von gemeinsamen Plänen und Absichtserklärungen wie z.B. dem Globalen Aktionsplan für ein gesundes Leben und Wohlergehen für alle (GAP SDG 3): Wie wirksam waren sie vor und während der Pandemie? Welche Rolle spielen die Regierungen und die nichtstaatlichen Akteure? Was haben wir aus Fehlern und Hindernissen, aber auch aus Umsetzungserfolgen gelernt? Welche Art von globaler Architektur wünschen wir uns für die Zukunft? Ist ‚Architektur‘ überhaupt das richtige Wort?

Hochrangige Expert*innen in einem dreistufigen Dialogprozess

Eine Reihe hochrangiger Expert*innen konnte für den ersten Impulsdialog gewonnen werden:

  • Ilona Kickbusch vom Geneva Graduate Institute, ehemals WHO und Harvard
  • Kate Dodson, Vizepräsidentin der Stiftung der Vereinten Nationen
  • Anna Holzscheiter von der Universität Dresden und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)
  • Christoph Benn vom Joep Lange Institut
  • Jean-Olivier Schmidt, Teamleiter von BACKUP Health der GIZ
  • Roland Göhde, Vorsitzender der German Health Alliance (GHA)
  • Elhadj As Sy, Ko-Vorsitzender des Global Preparedness Monitoring Board,

Alle sieben vertreten dezidierte Standpunkte zum gegenwärtigen Status und einer möglichen Ausrichtung der globalen Gesundheitsarchitektur. Diese werden in drei Schritten vorgestellt und vertieft:

  • Schritt 1: In einer ersten Dialogrunde stellen die Teilnehmer*innen einander ihre Positionen vor.
  • Schritt 2: In Einzelgesprächen werden die zentralen Aspekte ihrer Positionen vertieft
  • Schritt 3: In einer zweiten Dialogrunde wird auf die Optionen fokussiert, die sich aus übereinstimmenden und einander widersprechenden Positionen für die deutsche globale Gesundheitspolitik ergeben.

Die Teams von GHHG und Healthy DEvelopments gewährleisten gemeinsam einen reibungslosen Ablauf dieses Prozesses. Nach der gemeinsamen Auswahl der Dialogteilnehmer*innen kümmert sich GHHG um die Einladungen und die Organisation der Debatten, die dann vom Healthy DEvelopments-Team moderiert und dokumentiert werden.

Die Ergebnisse werden als Kurzpapier und Podcast veröffentlicht: Stay tuned!

Die Ergebnisse der Diskussion werden zunächst in einer designierten Session des Global Health Talk 2022 des GHHG Anfang Juli in Berlin vorgestellt. Ein kurzes Papier, das die unterschiedlichen Positionen der Teilnehmenden widerspiegelt und zeigt, wie sich diese im Laufe des Dialogs entwickelt haben, wird dann von Healthy DEvelopments und dem GHHG veröffentlicht und Entscheidungsträgern im BMG, BMZ, anderen Ministerien und dem Parlament vorgestellt. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, werden die Highlights des Dialogs auch in der Healthy DEvelopments-Podcast-Serie veröffentlicht. Daher: Stay tuned!

Weitere Impulsdialoge sind geplant und werden Fragestellungen aus den Themenbereichen ‚Klimawandel und globale Gesundheit‘ und ‚Gesundheitsfinanzierung‘ aufgreifen.

Dr Mary White-Kaba
Mai 2022

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