Angesichts der COVID-19-Pandemie ist die Entwicklung einer effektiven Strategie für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Tuberkulose und Malaria wichtiger als je zuvor

A doctor at Nair hospital in Mumbai, India, checks the vitals of a patient suspected of Covid-19

Der Verwaltungsrat des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria (Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria, GFATM) hat Ende Juli einen neuen Strategierahmen für den Zeitraum 2023-2028 verabschiedet. Gemeinsam mit EU-Partnern macht sich Deutschland dabei u.a. für mehr Koordination mit anderen Gesundheitsakteuren stark.

„Die Strategie des GFATM für 2023-2028, auf die wir mit diesem Strategierahmen hinarbeiten, ist besonders wichtig, weil der Countdown in Richtung 2030 begonnen hat. Von der neuen Strategie hängt ab, was in der verbleibenden Zeit noch erreicht werden kann“, erklärt Alexander Freese, Referent für Gesundheit im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das gesundheitsbezogene Entwicklungsziel (Sustainable Development Goal 3, SDG3) sieht unter anderem vor, dass die AIDS-, Tuberkulose- und Malaria-Epidemien bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts ausgerottet sind – ein ehrgeiziges Ziel, das in Zeiten von COVID-19 schwieriger zu erreichen scheint als je zuvor.

Ein inklusiver Strategieentwicklungsprozess vor dem Hintergrund einer neuen Pandemie

Die Entwicklung der neuen Strategie startete Anfang 2020 mit Online-Konsultationen, an denen sich alle interessierten Organisationen und Einzelpersonen beteiligen konnten. Im Februar und März 2021 folgten drei regionale Partnerschaftsforen, bei denen Vertreter und Vertreterinnen aller GFATM-Partner – von Zivilgesellschaft über Betroffenengruppen bis hin zu Umsetzungspartnern – konsultiert wurden. Mithilfe ihrer Beiträge und vor dem Hintergrund einer sich ausbreitenden COVID-19-Pandemie entwickelte das GFATM-Strategiekomitee den neuen Strategierahmen, den der GFATM-Verwaltungsrat am 22. Juli 2021 verabschiedet hat. Deutschland hat mit Diskussionspapieren der deutschen Zivilgesellschaft und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) zum Thema One Health aktiv zu diesem Strategieentwicklungsprozess beigetragen. 

Statt separater Krankheiten soll der Mensch im Mittelpunkt der Strategie stehen

Während die Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria zentrales Ziel des Globalen Fonds bleibt, formuliert der neue Strategierahmen zusätzlich drei ‚beitragende Zielsetzungen‘ (contributory objectives), nämlich: 1. Patienten-orientierte und integrierte Gesundheitssysteme für mehr Resilienz und Nachhaltigkeit; 2: Einbindung von Betroffenengruppen; 3: Soziale und Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte.

Es ist ein übergreifendes Ergebnis der Strategiekonsultationen, dass betroffene Menschen im Mittelpunkt des neuen Strategierahmens stehen. Dies soll sich auf allen Ebenen des Gesundheitssystems widerspiegeln: Im Umgang mit Patienten und Patientinnen, in der Organisation der Gesundheitsdienste, in der Verwaltung von Patientendaten und in der Medikamentenbeschaffung. Weil die Inzidenzen der drei Krankheiten weiter viel zu hoch sind, soll mehr dafür getan werden, die am stärksten betroffenen Gruppen zu erreichen und mit ihnen gemeinsam ihre spezifischen Risiken und Zugangsbarrieren nachhaltig abzubauen.

Mit dem Querschnittsziel „Pandemieprävention“ wird der führenden Rolle des Globalen Fonds mit Blick auf die Globale Antwort auf die COVID-19-Pandemie Rechnung getragen. Hierbei betont die gemeinsame EU-Stellungnahme, dass die Pandemiebereitschaft der Empfängerländer nicht im Rahmen separater Maßnahmen, sondern über bestehende Aids-, Tuberkulose- und Malariaprogramme sowie Aktivitäten im Bereich der Gesundheitssystemstärkung gefördert werden soll. Ein zweites Querschnittsziel, „Ressourcen-Mobilisierung““, unterstreicht, dass Empfängerländer die Finanzierung ihrer Gesundheitssysteme in den kommenden Jahren schrittweise auf eigene Mittel umstellen müssen.

Annex 1 – Global Fund Strategy Framework

BMZ setzt sich für mehr Koordination zwischen den globalen Gesundheitsakteuren ein…

Als proaktives Mitglied des Verwaltungsrates und als einer der größten Beitragszahler des Globalen Fonds hat Deutschland sich immer schon dafür eingesetzt, dass statt vertikaler krankheitsspezifischer eher horizontale, Gesundheitssystem-stärkende Maßnahmen gefördert werden. Im Kreis der globalen Gesundheitsakteure setzte sich die deutsche Regierung 2018 außerdem für eine systematischere Koordinierung und Zusammenarbeit der verschiedenen multilateralen Gesundheitsinitiativen ein. Zusammen mit Ghana und Norwegen schlug sie der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) deshalb vor, einen globalen „SDG3-Aktionsplan für gesundes Leben und Wohlergehen für alle“ (Global Action Plan for Healthy Lives and Well-being for AllGAP) als Orientierungsrahmen für alle Multilateralen zu formulieren und dessen Umsetzung zu koordinieren. Die vom GFATM im Rahmen des GAP eingegangenen Verpflichtungen zu systematischerer Zusammenarbeit sollten aus deutscher Sicht ausdrücklich in die neue Strategie aufgenommen werden. 

… und fördert einen One-Health-Ansatz in Verbindung mit einer stärkeren Sensibilisierung für Umweltauswirkungen von Interventionen

Angesichts des zoonotischen Ursprungs der COVID-19-Pandemie und der Auswirkungen der Klimakrise auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Planet hat Deutschland den Strategieentwicklungsprozess genutzt, um den Verwaltungsratsmitgliedern die Bedeutung eines One-Health-Ansatzes für die Mission des Fonds zu verdeutlichen. Eine vom BMZ beauftragte Studie und das resultierende Input-Papier, das Deutschland dem GFATM-Verwaltungsrat vorgelegt hat, formuliert konkrete Vorschläge, wie One Health-Aspekte in der neuen Strategie und in den Förderanträgen der Länder berücksichtigt werden können. Außerdem ist es aus deutscher Sicht höchste Zeit, den Umweltauswirkungen der vom GFATM geförderten Maßnahmen mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Die nächsten Schritte

Das Global Fund Sekretariat wird auf der Grundlage des jetzt vereinbarten Rahmens in den kommenden Monaten die Strategie ausformulieren und erneut die Rückmeldungen aller Stimmrechtsgruppen einholen. Deutschland wird sich hierbei dafür einsetzen, dass die gemeinsam mit EU-Partnern vorgeschlagenen Anpassungen angemessen berücksichtigt werden. Die finale Strategie soll vom GFATM-Verwaltungsrat im November 2021 verabschiedet werden, so dass im Anschluss mit der Kampagne für die siebte Wiederauffüllungskonferenz begonnen werden kann, die im Herbst kommenden Jahres stattfinden soll.

„2022 wird ein wichtiges Jahr für den Globalen Fonds, denn es steht die 7. Wiederauffüllung des Fonds an. Angesichts der COVID-19-bedingten Auswirkungen auf die Bekämpfung der drei Krankheiten und Gesundheitssysteme ist es von großer Bedeutung, ausreichend Ressourcen zu mobilisieren“, sagt Alexander Freese. „Die Hauptaufgabe des Verwaltungsrats wird in den nächsten drei Monaten darin bestehen, die zugrundeliegende Strategie des Fonds für den entscheidenden Zeitraum bis 2030 festzulegen.“

Anna von Roenne, August 2021

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